Chronik des Eissports in Malchow

Der in Kanada entstandene Eishockeysport fand im 20. Jahrhundert seinen Weg nach Europa und so auch nach Malchow. Es gab zwar hier kein künstliches Eis, dafür bot der Winter mit seinen zugefrorenen Teichen und Seen die entsprechenden Möglichkeiten.

So berichtet Paul Christian Paegelow ca. 1935 in seinem Buch „Die Tage der Lerche“ folgendes aus Malchow: „Sie sausen auf Hanning Behm zu, der spielt mit einigen Schülern Hockey auf dem Eis. Aber sie haben nur ein Tor, das durch ein Paar rote Handschuhe und eine gelbe Jacke markiert ist. Die Mannschaft besteht aus zwei Verteidigern und drei Stürmern, der Torwart saugt blöde an seinem Handschuh, er hat zu wenig zu tun.(…) Siege, Willi und Addi laufen zum Ufer und schneiden Äste aus den Weiden. Sie dienen als Hockeyschläger, denn sie zeigen am Ende die leichte Biegung, die man braucht, um das Stück Holz übers Eis zu treiben.“

Als Puck dienten daneben ein Stück Kohle oder eine Dose. Auch in der DDR-Zeit wurde auf Malchows Seen und Teichen Eishockey gespielt.

Es kamen die ersten Holzschläger und Gummipucks auf den Markt. Bevorzugte Spielorte waren der Teich auf dem Kloster, der Karpfenteich, die Badeanstalt und Plätze um die Insel herum, aber auch an der August – Bebel – Straße.

1964 durften Schüler der Fritz – Reuter – Schule nach Gielow fahren, um dort an einem Eishockeyturnier teilzunehmen, welches auf einer Natureisfläche, umgeben von einer Holzbande, ausgetragen wurde. Gielow war zu dieser Zeit der nachgeschaltete Trainingsstützpunkt des Rostocker Eisclubs. Dort gab es die einzige Eiskunstlaufhalle der drei Nordbezirke.

Auch in den harten Wintern zu Beginn der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts zog es die Malchower aufs Eis. Ein Turnier am Erddamm im Januar 1997 dauerte bis in die späten Abendstunden und fand unter der Malchower Bevölkerung zahlreiche, begeisterte Zuschauer. Hier auf dem Malchower See wurde die Idee geboren, unabhängig von der Witterung künstliches Eis zu haben.

Der Bürgermeister Joachim Stein griff diesen Gedanken auf, erforschte Fördermöglichkeiten und suchte Kontakte zu entsprechenden Planungsbüros. Der Kultur- und Sportring „Regenbogen“ e. V. war bereit, als Bauherr und Betreiber einer solchen Kunsteislauffläche zu fungieren. Das Sozialministerium M-V zeigte sich begeistert von dieser Idee und sicherte eine 1/3 Förderung der Gesamtmaßnahme zu.

Am 11.06.1999 fand die Grundsteinlegung statt und bereits am 11.11.1999 konnte, mit vierzehntägiger Verspätung, die Kunsteisbahn in der Schulstraße unter Mitwirkung der Eiskunstläuferin Gaby Seifert eröffnet werden. Der Andrang war riesig und aus dem am Abend ausgetragenen Eishockeyspiel gegen Waren ging Malchow mit 6:5 Toren als Sieger hervor.

Die Eiskunstlauffläche war als offene Anlage in den Originalmaßen 30m x 60m konzipiert. Bereits im ersten Winter wurden die daraus resultierenden Mängel deutlich. Regen und Wind setzten der Eisfläche schwer zu, die somit oft nicht genutzt werden konnte.

Abermals bemühte sich der Bürgermeister um eine Lösung des Problems und erneut erklärte sich das Sozialministerium M-V zu eine 1/3 Förderung des dringend notwendigen Dachbaus bereit.

Die Wohnungsbaugesellschaft mbH Malchow (WOBAU) engagierte sich mit einem Darlehen und auch die Stadt unterstützte dieses Vorhaben finanziell. So konnte bereits ein Jahr später die Eishalle mit einem Dach versehen werden. In den Folgejahren wurde die Eishalle auch an den Seiten geschlossen.

Damit gab es neben Rostock eine weitere Eiskunstlaufhalle für das Schlittschuhlaufen und den Eishockeysport in Mecklenburg – Vorpommern.

1999, noch vor Beginn der Saison, gründeten am 18.Oktober 18 Sportlerinnen und Sportler die Abteilung Eis- und Rollsport im Malchower Sportverein (MSV) und gaben sich später nach mehrheitlicher Abstimmung den Namen „Malchower Wölfe“. Als Trainer der Eishockeymannschaft fungierte zuerst Bernd Troschke, der bei „Dynamo Berlin“ den Eishockeysport erlernt hatte. Ihm folgte Steffen Rübesam, der bei „Dynamo Weißwasser“ gespielt hatte und es folgten weitere.

Die 1. Landesmeisterschaft im Eishockey wurde auf der Malchower Anlage bereits am 22. Januar 2000 ausgetragen. Von den sieben teilnehmenden Mannschaften belegten die Malchower Wölfe den 6.Platz.

Im Jahre 2002 erreichten die Senioren den 3.Platz in der Landesliga Mecklenburg – Vorpommern. Von den zwei Eishockey – Nachwuchsmannschaften gewannen die Schüler 2003 den Landesmeistertitel. In der Schüler – Scorerliste des Landes belegten die Malchower Spieler in der Reihenfolge Robin Kühn, Stefan Rentz, Florian Dangschat und Tobias Henning die ersten vier Plätze. In der Scorerliste der Junioren des Jahres 2003 wurde der Malchower Dirk Beckmann Zweiter.

Die Malchower Wölfe nahmen an einer Vielzahl von Turnieren, so auch in Heringsdorf sowie Landespokalmeisterschaften, teil.

Am 9. und 10. November 2002 wurde in Malchow ein erstes Oldie – Turnier mit Mannschaften aus Berlin, Rostock, Erfurt, Halle, Crimmitschau und Dresden durchgeführt. Viele ehemalige Nationalspieler waren dabei, so auch „Otto“ (Helmut Senftleben), eine DDR-Eishockeylegende, der inzwischen leider verstorben ist. Dieses Turnier konnte zweimal wiederholt werden.

In Folge von Uneinigkeiten verließen einige Spieler die Mannschaft, so auch der Trainer, und es folgte ein schwieriger Neuanfang.

In der Saison 2008/2009 erzielten die Malchower Wölfe den 1.Platz in der Landesliga

Mecklenburg – Vorpommern und spielten 2 Jahre zusammen mit Vereinen aus Mecklenburg – Vorpommern, Hamburg und Niedersachsen in der Hanseliga. Aber auch der Nachwuchsarbeit wird weiterhin größeres Augenmerk geschenkt.

Der Nachwuchs trainiert in der Saison dreimal in der Woche mit der Hoffnung, dass sich in den nächsten Jahren auch dort wieder spielfähige Mannschaften entwickeln und halten.

In der Sommersaison wird auf der gleichen Spielfläche Inline-Hockey gespielt.

Seit dem Schuljahr 2009/2010 erlernen die Schülerinnen und Schüler der Schulen in der Inselstadt Malchow unter fachkundiger Anleitung im Sportunterricht das Schlittschuhlaufen.

Beliebt, nicht nur bei semi-professionellen Eishockey-Spielern, sind auch die Stadtmeisterschaften im Eishockey, welche jedes Jahr zum Ende der Saison stattfinden und an denen sich jeder interessierte Bürger beteiligen kann.

Quelle: „Zur Geschichte des Malchower Sports“ (Autor: Joachim Stein)

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